SATIRISCHES VON WALTER ZAUNER

Priesterliebe.

Oder: In der Hitze des Beichtstuhls Ein Kirchenlied
Im Beichtstuhl die Hölle dämmrig und heiß.
Ich rieche die Körper und rieche den Schweiß.
Sie erzählen mir von ihren Lüsten
und, wie sie tief toben in ihren Brüsten.

Hungrig seh’ ich's, wie sie's treiben
und innig ihre Lippen reiben.
Zum Teufel mit diesem Höllenschlund!
Und wer küßt meinen Priestermund?

Muss den Priesterliebe Sünde sein?
Mein Bischof sagt ja, und ich sage nein.
Nein.

Ich ahne, was sie Schlimmes machten,
daß ungestüm die Betten krachten.
Voller Begierde ist dann mein Sinn,
und ich fingere langsam schüchtern hin

zu dem, was mir zum übrigen Leben
vom lieben Gott auch mitgegeben.
Vom lieben Gott mit gutem Grund!
Nimm endlich meinen Priestermund !

Muss den Priesterliebe Sünde sein?
Mein Bischof sagt ja, und ich sage nein.
Nein.

Es wächst und wächst und fordert sein Recht.
Jesus im Himmel, was ist daran schlecht,
dass mein armes Herz verzagt,
während unten die Lust immer weiter nagt?

Erzähl mir, Frau, nicht deine Sünden!
Von Liebe und Lust sollst du mir künden!
Küss' Leib und Seele mir gesund!
Nimm endlich meinen Priestermund!

Muss den Priesterliebe Sünde sein?
Mein Bischof sagt ja, und ich sage nein.
Nein.

Wenn dann die Frauen nach ihrem Beichten
die Münder willig zur Kommunion mir reichten,
die Lippen fromm, geöffnet, geschwungen,
und weiße Oblaten auf roten Zungen!

Die Lippen, die Zungen greifen mich an
und bedrängen den verwirrten Gottesmann.
Nimm nicht den Leib des Herrn dünn und rund!
Nimm lieber meinen Priestermund!

Muss den Priesterliebe Sünde sein?
Mein Bischof sagt ja, und ich sage nein.
Nein.

"Das Trachten des Fleisches führt zum Tod." (Römer 8,6)
Doch spür' ich das Tier so heiß und rot
und höre seit meiner Priesterweihe
Nacht für Nacht immer heisere Schreie,

dass vor den alten Frauen in der Früh
gnadenlos zittern die Priesterknie
und dass ich schaue vom Fieber gebannt
auf die alten Brüste im dunklen Gewand.

In meinen Träumen immer wilder
erscheinen streng verbotene Bilder,
wie fromme Mädchen bei meinem Segen
lüstern vor Lust die Röcke heben.

Nach einer solchen schlimmen Nacht
hab' ich entschlossen Schluss gemacht
und das böse Geschlecht mir abgehackt,
und es in Silberpapier geschmackvoll verpackt.

Mein Bischof soll ihn kriegen,
den blutigen Teufelsschrott.
Die Lust soll nie mehr siegen.
Ich dank dir, lieber Gott.

Zur Hölle mit dem Samen!
Eminenz, Amen!

© Walter Zauner 2014